MUSIK MARKETING 101

Artist Brand aufbauen: Deine Identity als Musiker:in finden

Veröffentlicht:
8.9.2026
|
Letztes Update:
8.9.2026
|
ANNA-MARIA SKORIC

In unserer täglichen Arbeit haben wir es sowohl mit etablierten, internationalen Acts als auch Newcomern zu tun. Insbesondere am Anfang einer Karriere wird schnell versucht mit einfachen Mitteln große Reichweiten zu generieren. Fair! Aber um die Reichweite in echte Fans weiterzuentwickeln, muss es auch gewisse Identifikationspunkte beim Artist geben. Und schon landen wir bei den grundlegend wichtigen Themen wie Artist Brand & Identity – die eigene Künstler:innen-Marke! Ein gut durchdachtes Branding und eine klare Identität sind das Fundament einer erfolgreichen Karriere. In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über die Dimensionen einer gut funktionierenden Artist Brand!

Bestandteile einer Artist Brand

Um eine durchdachte und authentische Artist Identitity aufzubauen, stehen am Anfang oft folgende Überlegungen:

  • Welcher Archetyp ist der Artist und welche grundlegende Energie und emotionale Wirkung auf das Publikum hat der Artist?
  • Wie ist der Sound des Artists?
  • Was repräsentiert der Artist?
  • Wie ist die Markenstimme (Brand Voice)?
  • Werte: Was sind die Vision, die Mission und Purpose?
  • Kernbotschaft: Was ist die Grundlage der Identity in einem Satz? (Funfact: Es gibt Artists, die sich diese Brand Message direkt vor einem Auftritt nochmals durchlesen oder beim Recording immer wieder anschauen, um sich in ihre Artist Persona einzufinden)

Alle anderen Steps des Designs wie z.B. Schriftarten, Farben, Bildsprachen kommen erst später. Ab hier können wir den Blog Artikel als eine kleine Checkliste betrachten. Dabei ist nicht wichtig, dass du hinter alles einen "Erledigt-Haken" machst, aber du solltest alles einmal durchdenken und deinen eigenen Schluss daraus ziehen. Wir bewegen uns hier in einem Bereich, in dem es kein "richtig" oder "falsch" gibt.

Die nachfolgenden Fragen können dir aber dabei helfen, deine Künstler:innenmarke zu finden, zu definieren und zu verstärken.

Identität & Persona hinter dem Artist

In diesem ersten Schritt geht es noch nicht direkt um das Artist Image, sondern vielmehr um alles dahinter. Die bisherige Story, bevor eine Artist Identity entsteht, gehört oft zu den wichtigsten Kommunikationsschätzen, die man heben kann, bevor man große Welle macht. Daher stelle dir die folgenden Fragen:

  • Beschreibe dich als Person (nicht nur als Artist) in 3 Wörtern oder einem Satz.
  • Wie und worin unterscheiden sich deine private und deine Artist Persona / deine Bühnenpersönlichkeit?
  • Auf welche musikalischen oder auch andere Talente, Kenntnisse oder Eigenschaften bist du besonders stolz?
  • Welche Interessen / Leidenschaften / Hobbys hast du neben der Musik?
  • Welche Themen (sozial, kulturell, emotional) und Werte sind dir als Person besonders wichtig?
  • Ist dein Universum eher konzeptuell und fiktional (wie Gorillaz) oder nah an deiner realen Persönlichkeit und deinem Leben (wie Taylor Swift)?
  • Kannst du deine gesamte Artist-Story in 2–3 Sätzen zusammenfassen – so, dass jemand, der dich nicht kennt, sofort versteht, worum es geht?

Deine Geschichte

  • Wie war dein bisheriger Weg? Wieso machst du Musik?
  • Welche Momente oder Stellen gab es, die deine Musik oder deine Artist Persona maßgeblich beeinflusst haben?
  • Welches Gefühl soll bei Menschen hängen bleiben, wenn sie deine Musik abhören?
  • Welche Themen behandelst du in deinen Songs?
  • Ist dein Artist-Projekt eher ein kreatives Ausdrucksmittel, ein Businessaufbau, eine Community um Gleichgesinnte, oder eine Kombination? Was davon steht an erster Stelle?
  • Was ist der übergeordnete Plot deiner Artist-Story? (z.B. Rags to Riches, Heldenreise, Rebellion gegen Normen, Wiedergeburt nach einer schwierigen Phase, eine Reise/Entdeckung)

Kreativität

  • Woher nimmst du neben anderen Künstlern und Künstlerinnen die Inspiration für dein Songwriting (z.B. persönliche Erlebnisse, Bücher, Filme, Kunst,...)?
  • Welche Sounds, Referenzen oder visuellen Elemente ziehen sich durch mehrere deiner Songs?
  • Welche Artists (unabhängig vom Genre oder der Epoche) bewunderst du und warum?

Archetypes

Archetypes können tolle Orientierungshilfen sein, um die grundlegende Rolle, Energie und emotionale Wirkung der Künstler:innen auf ihr Publikum abzuschätzen. Es geht dabei nicht um Rollen, die man spielt, sondern echte psychologische Grundstrukturen. Sie können nicht erzwungen werden, sie kommen authentisch aus der Persönlichkeit. Besonders interessant ist dabei das Konzept des Schattens: Persönlichkeitsanteile, die man verdrängt oder versteckt. Genau diese sind aber oft der Schlüssel zu echter emotionaler Tiefe – weil sie das ausdrücken, was andere Menschen in sich selbst nicht aussprechen können.

Beispiel: Yungblud

Yungblud verkörpert den Outlaw-Archetyp: Seine Artist Brand basiert auf offener Regelverweigerung, einer punkigen visuellen Sprache und einer Community, die sich bewusst außerhalb des Mainstreams positioniert.

Der Outlaw-Archetyp:

  • Kernmotivation: Liberation / Befreiung – von Regeln, Konventionen und gesellschaftlichen Erwartungen
  • Emotionale Wirkung: Rebellion, Disruption, Provokation
  • Markenkern: „Ich breche Regeln, weil sie falsch oder ungerecht sind"

Warum das zu Yungblud passt:

  • Visuelles Auftreten: Punk-/Rock-Ästhetik, unkonventioneller Stil, bewusst gegen Mainstream-Normen gerichtet. Also genau das, was im Bild neben ihm steht (dunkle, raue Optik statt polished Pop-Image)
  • Themen & Werte: Er positioniert sich explizit gegen gesellschaftliche Konventionen, Stigmatisierung (z. B. bei mentaler Gesundheit) und für individuelle Freiheit. Das sind klassische Outlaw-Themen
  • Community: Seine Fanbase („Black Hearts Club") wird als Ort für Außenseiter:innen und Menschen inszeniert, die sich anderswo nicht zugehörig fühlen. Das ist Rebellion & Disruption als Fan-Verbindungsart
  • Story-Plot: „Rebellion gegen Normen"-Narrativ

Andere Beispiele für den Outlaw-Archetyp sind Nina Hagen oder auch Feine Sahne Fischfilet. An diesen drei Beispielen lässt sich auch zeigen, dass alle Artists zwar dem gleichen Archetypen entsprechen, dennoch aber weiterhin in ihrer Brand absolut individuell sind.

Quelle: Iconic Fox

Emotionale Konnektoren

Beschäftigt man sich mit den Archetypes, kommt man fast in einem Rutsch auch an den Punkt der "emotional connectors". Diese drehen sich um die Frage: Welches Gefühl will der Artist bei den Fans auslösen und was soll am Ende hängen bleiben? Zur Orientierung hier eine kleine Auflistung der wichtigsten Konnektoren:

  • Relatability: Fans finden sich selbst in den Erfahrungen, Kämpfen und Emotionen wieder.
  • Eskapismus: Fans tauchen in deine Welt ein, um der Realität zu entfliehen.
  • Empowerment: Fans fühlen sich durch deine Botschaften stärker, mutiger und bestätigt.
  • Nostalgie: Fans fühlen sich durch dich an eine positiv belegte Zeit in der Vergangenheit erinnert / reinversetzt.
  • Rebellion & Disruption: Fans fühlen sich von deiner Haltung angezogen, weil du Regeln hinterfragst, Grenzen verschiebst und bestehende Normen aufbrichst.
  • Intimacy & Vulnerability: Fans spüren eine persönliche Nähe zu dir, weil du dich authentisch, offen und menschlich zeigst und auch Unsicherheiten oder schwache Momente teilst.

Wer jetzt sagt, ein so vielschichtiger Artist zu sein, dass ja irgendwie alles passt, der oder die sollte bitte nochmal in sich gehen. Es geht hier nicht darum möglichst viel abzudecken, sondern darum, möglichst klar zu sein! Je klarer die Einordnung, desto greifbarer ist ein Artist für den Fan. Wenn bspw. Lana Del Rey mit Nostalgie spielt, darf sie als Künstlerin trotzdem auch mal rebellisch sein oder empowernde Botschaften in ihren Socials teilen. Trotzdem verkörpert ihr Markenkern eine Americana-Nostalgie, die auch ihren Wiedererkennungswert ausmachen.

Visuelles Auftreten & Stil

  • Zu welchen Farben, Mustern, Styles, Schriftarten fühlst du dich hingezogen?
  • Welche Farben, welcher Stil, welche Art Mode passen zu deinem Archetyp?
  • Welche Referenzen (z.B. Mode, Kunst etc.) spiegeln deinen Stil wieder?
  • Bei welcher Art von Visual Branding fühlst du dich am meisten wie du selbst?
  • Wie beschreiben andere deine Energie auf der Bühne?
  • Wie und was denken andere über deine Artist Persona?
  • Welche Sprache, Haltung und Energie prägen deine Kommunikation als Artist?

Sind die Basic Hausaufgaben gemacht und die grundlegende Motivation verstanden sowie die Backstory eruiert, orientiert man sich im Markt, um die richtige Lücke, Nische oder auch das beste Podest zu finden … you name it!

Wir hoffen, dass dir dieser Artikel eine kleine Hilfestellung bei der Schärfung deines Artist Image ist. Falls du Fragen hast, melde dich immer gerne! Trage dich auch gerne zum Newsletter ein und erhalte regelmäßig Updates und Inisghts aus dem digitalen Musik Marketing.

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Fragen und Antworten

Was ist eine Artist Brand?
Eine Musiker:innen Marke ist die bewusst gestaltete Identität eines Musikers oder einer Musikerin – bestehend aus Archetyp, Werten, Kernbotschaft, visuellem Auftreten und Brand Voice. Sie sorgt dafür, dass Fans den Artist auf allen Kanälen wiedererkennen und sich emotional mit ihm verbinden.
Was gehört zu den Bestandteilen einer Artist Brand?
Zu den Kernbestandteilen einer Personal Brand für Musiker:innen zählen: der Archetyp des Artists, das, wofür er steht, die Positionierung, Werte (Vision, Mission, Purpose) sowie eine Kernbotschaft in einem Satz. Design-Elemente wie Farben und Schriftarten kommen erst danach.
Wie findet man den eigenen Artist-Archetyp?
Der eigene Archetyp ergibt sich aus der grundlegenden Energie und emotionalen Wirkung, die man auf das Publikum hat – nicht aus dem, was man gerne sein möchte. Fragen zu Werten, Story und Wirkung auf andere helfen, diesen ehrlich zu identifizieren.